Ich denke, es wird Zeit, wieder einmal ein paar Worte über meine gesundheitliche Situation zu berichten. Angekündigt habe ich es ja schon vor einiger Zeit.

    Im August 2016 bin ich ja Rentner geworden - mit 65 Jahren und 5 Monaten. Ich hatte mich dazu entschlossen, nicht vorzeitig mit dem Arbeiten aufzuhören. Die größte Motivation kam davon, dass wir noch einige Umbauten am und im Haus vornehmen wollten bzw. mussten, und es leichter ich, die Geldmittel dafür aufzubringen, wenn noch ein volles Gehalt verfügbar ist.

    Mit dem Renteneintritt musste ich nicht mehr selbst mit dem Auto fahren - und das war auch gut so. Ohne größere Umrüstung wäre das nicht mehr lange sicher möglich gewesen.

    Es war schon ein schwerer Schritt, darauf zu verzichten, aber richtig war es auf jeden Fall. Die verlorene Eigenständigkeit vermisse ich immer noch, es ist halt einer der Verluste, die so eine Krankheit zu einem früheren Zeitpunkt mit sich bringt, als bei gesunden Menschen. Das Abschiednehmen müssen wir eh lernen, wenn wir uns nicht aufgeben wollen bzw. in Depressionen und Selbstmitleid versinken wollen.

    An das längere Schlafen haben ich mich schnell gewöhnt, den fehlenden Druck als Führungskraft im einem Weltunternehmen habe ich nie vermisst. Der Arbeit habe ich keine Träne nachgeweint, vor allem, da mein Arbeitgeber immer wieder versucht hat, mich durch methodisches Bossing zum Gehen zu bewegen.

    Meine Tage sind trotzdem nicht leer geworden dadurch, mir geht es als Rentner also recht gut. Ich leide nicht unter Langeweile.

    Mit dem letzten Jubiläumsgeld haben wir für mich für das Wohnzimmer einen Hubsessel von Fitform gekauft, der sich individuell zusammenstellen ließ. Gerade für Rollstuhlfahrer eignen sich die Funktionen Akkubetrieb (kein Kabel auf dem Teppich und auch bei Stromausfall funktionsfähig), senkrechtes Hochfahren ohne Kippung (erleichtert den Transfer vom/zum Rollstuhl), wegklappbare Armlehne. Ich möchte ihn nicht mehr missen.

    Um weiter zusammen mit meiner Frau mobil sein zu können, kam Anfang 2017 dann noch ein Schwenk-Hub-Sitz Turny Evo für die Beifahrerseite unseres Autos dazu, der komplett aus dem Auto heraus fahren kann und somit den Transfer vom/zum Rollstuhl sehr erleichtert. Natürlich muss danach von meiner Frau dann noch der Rollstuhl im Kofferraum mit dem Ladeboy verstaut werden. Mit diesem Sitz können wir wieder unbeschwert ins Theater und in Konzerte fahren und haben so viel Lebensqualität zurückgewonnen.

    Dass ich im Dezember 2017 einen neuen Rollstuhl bekam, da es für den E-Motion Greifreifenantrieb des alten schon lange keine Ersatzteile mehr gibt, habe ich ja bereits berichtet. Es ist ein Servo L von AAT. Die Vorzüge sind eine sehr lange Laufzeit, ein Bergfahrprogramm und vor allem einen wechselbaren Akku, so dass ich immer einen voll geladenen Akku in Reserve habe.

    Durch meine Krankenkasse (TK) fühle ich mich sehr gut betreut und versorgt. Sie genehmigt mir jeweils zweimal pro Woche Ergo- und Physiotherapie, seit 4 Wochen auch Logopädie, das tägliche Anziehen von Kompressionsstrümpfen durch einen nahegelegenen Pflegedienst und alle nötigen Hilfsmittel. Die Behandlungen finden übrigens alle zuhause statt.

    Meine Muskelkraft und mein Lungenvolumen (COPD hat sich entwickelt) hat seitdem natürlich weiter abgenommen. Ein CPAP-Gerät (wegen Schlafapnoe) entlastet die Lunge zum Glück nachts spürbar.

    Die reduzierte Muskelkraft in den Beinen hat zu massiver Instabilität in den Knieen beim Gehen geführt.

    Die überhaupt nur wenige möglichen Schritten zum und im Bad waren schon länger mit gelegentlichen Stürzen verbunden. Deutlich zugenommen haben sie seit Januar 2018. Im August haben sie sich massiv gehäuft. Mit viel Glück ging es mit Hämatomen und kleineren Knochenverletzungen im linken Fuß ab, auch wenn ich in diesem Zuge für eine Woche in die Klinik musste.

    Zum Thema Klinikaufenthalt werde ich vielleicht noch einmal gesondert schreiben. Unser Gesundheitssystem ist auf Patienten, die im Rollstuhl sitzen und trotzdem ihre Würde behalten wollen, überhaupt nicht eingerichtet. Ich habe mir zum Beispiel eine Toilettensitzerhöhung und Toilettenpapier von zu Hause mitbringen lassen und habe eine Behindertentoilette in einem Wartebereich (außerhalb der eigentlichen Station) benutzt, umn nicht auf den “Schieber” zu müssen.

    Parallel habe ich meinen Pflegegrad überprüfen lassen, der innerhalb von weniger als drei Wochen von 2 auf 3 festgesetzt wurde. Viel hat zu 4 nicht gefehlt. Außerdem wurde vom medizinischen Dienst eine Kur empfohlen, die inzwischen sogar in der Klinik Hoher Meißner genehmigt wurde (Tipp von Horst Steck, der schon mehrfach dort zur Kur war), die ich mir gewünscht hatte - auch wenn ich bei der Auswahl etwas nachhelfen musste. Hilfreich war dabei eine Liste der DGM. Sie wird wahrscheinlich im Februar stattfinden. Ich werde nach der Kur sicherlich über meine Erfahrungen schreiben.

    Nun nutze ich meinen alten Rollstuhl zwischen Schlafzimmer und Bad und habe mich endgültig vom Gehen verabschiedet. Leicht fällt es mir nicht, demnächst auch einen Duschrollstuhl benutzen zu müssen, aber das Risiko weiterer Stürze mit schwerwiegenden Folgen ist einfach zu groß. Er wird voraussichtlich nächste Woche geliefert.

    Ich werde nach den ersten Erfahrungen darüber berichten.

    tbc (to be continued) .......